ACTIVATE - An Ambient System for Communication, Information and Control in Intensive Care

Das Projekt ACTIVATE fokussiert auf eine Optimierung der Versorgung auf Intensivstationen. Der systemische Ansatz adressiert wesentliche (nicht-medizinische) Handlungserfordernisse in der pflegerischen Versorgung kritisch kranker beatmeter Menschen im Verlauf der Entwöhnung vom Beatmungsgerät und/oder des Aufwachens aus dem Koma: Kommunikation und Information sowie Aktivierung und Partizipation.

Ziel von ACTIVATE ist die Entwicklung eines soziotechnischen Systems zur Bereitstellung einer optimal auf die Anthropometrie adaptierten Mensch-Technik-Interaktion (MTI) für Nutzer mit temporären kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen, insbesondere der Sprache. Dies umfasst (1) die Entwicklung eines technischen (Software-)Systems zur kontextsensitiven Einbindung von MTIKomponenten, (2) die Entwicklung eines neuartigen ballförmigen Eingabegerätes für die Verwendung
im Bett und (3) die nutzerzentrierte Entwicklung von Interaktionsmechanismen und -inhalten. Der im Projekt entwickelte Demonstrator wird in einem klinischen Feldversuch evaluiert.

Im Gegensatz zu bisher verfügbaren Systemen bietet ACTIVATE einen hybriden Ansatz aus automatischer Makro-Adaption auf die jeweils verwendeten Ein-/Ausgabegeräte und (semiautomatischer) Mikro-Adaption auf den jeweiligen Patientenzustand. Zudem wird durch das innovative Eingabegerät eine intuitive Bedienung erstmals auch für schwer- und schwerstkranke Patienten ermöglicht.

Im Anschluss an das Projekt soll das System vom Konsortialführer REHAVISTA GmbH, einem bundesweit agierenden Systemhaus für medizinische Produkte und Dienstleistungen vermarktet werden. Eine erste grobe Marktanalyse ergibt einen potenziellen Markt von 2-3 Millionen Behandlungsfällen und einen Bedarf von mehreren tausend ACTIVATE-Systemen pro Jahr. Neben dem Vertrieb der Hardware sind ein Verkauf der Software, sowie Dienstleistungen zur Inbetriebnahme, Einweisung und zum Training vorgesehen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Übertragbarkeit auf weitere Anwendungsfelder im Pflegebereich möglich. Dies beinhaltet die Einbindung von Softwarekomponenten von Drittanbietern, die Integration weiterer MTI-Hardwarekomponenten und die Übertragung auf andere medizinische Fachabteilungen im stationären und ambulanten Bereich.

Der Fokus der Arbeiten des Instituts für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS) liegt auf der benutzerzentrierten kontextspezifischen Entwicklung, Gestaltung und Evaluierung einer intuitiv durch den Patienten bedienbaren, multimodalen Mensch-Technik-Schnittstelle, welche sich an die Leistungsfähigkeit der Patienten während der Aufwach-/Weaningphase adaptieren lässt. Für die Gestaltung der benutzerzentrierten Mensch-Technik-Schnittstelle kann dabei auf umfangreiche Forschungsarbeiten (sowohl hinsichtlich eingesetzter Methodik als auch erzielten Ergebnissen) aus dem Bereich der altersgerechten Gestaltung von Mensch-Technik-Schnittstellen zurückgegriffen werden. In Zusammenarbeit mit den späteren Nutzern (ehemalige Patienten der Intensivstation, Pflegepersonal) sowie den weiteren Projektpartnern werden in einem iterativen Prozess Demonstratoren im Kreativlabor des IMIS entwickelt. Diese werden anschließend im Usability-Lab des Instituts Software-ergonomisch evaluiert. Dazu werden Verfahren zur Aufnahme objektiver Daten mit Methoden zur Aufnahme subjektiver Daten kombiniert. Ausgereifte Prototypen werden anschließend stichprobenartig in der Praxis getestet.

Vertiefendere und aktuelle Informationen können auf der Projektwebsite www.projekt-activate.de abgerufen werden.

Kooperationspartner: 

Gefördert durch: 

Projektzeitraum: 
Feb 2017 - Dez 2019